Bäche, Seen und Flüsse

Zum Erhalt der Artenvielfalt und des Naturschutzes wurden im Arnsberger Wald die zwei LIFE-Projekte Bachtäler im Arnsberger Wald und möhneLIFE realisiert. 

Bachtäler im Arnsberger Wald

Zahlreiche Gewässer, vom kleinen Quellrinnsal, über den großen Bach bis hin zur breiten Ruhr durchfließen den Naturpark Arnsberger Wald. Viele Bäche und Auen sind natürlich und intakt und bieten damit die optimale Heimat  für eine große Anzahl von Tieren und Pflanzen. Einige Bäche wurden jedoch im Laufe der Geschichte begradigt und Auen entwässert. Im Zuge des LIFE-Projekts "Bachtäler im Arnsberger Wald" wurden 2009 bis 2014 mehrere Bäche renaturalisiert, um eine Strukturvielfalt der Lebensräume wieder herzustellen.

Auenwälder und Fließgewässer im Wandel

Aufgrund der vielfältigen Lebensräume von Wäldern und Wiesen bis hin zu Mooren und kantigen Felsen bietet der Arnsberger Wald eine gute Grundlage für eine artenreiche Tier-, Pflanzen- und Insektenwelt.
Vielerorts war das Gebiet im vergangenen Jahrhundert weitgehenden Eingriffen des Menschen ausgeliefert. Für eine bessere Bewirtschaftung wurden Bäche, die normalerweise windungsreich und in breiten, flachen Bachbetten fließen, begradigt sowie teilweise an den Auenrand verlegt. Außerdem wurden Auen und Moore entwässert. Die lichten Erlen-Auwälder wichen dunklen und artenarmen Fichtenforsten. So wurden vielen Tieren und Pflanzen ihre Lebensgrundlage genommen.

Auch der Mensch hat mit den Folgen zu kämpfen. Bei Hochwasser können sich die Flüsse und Bäche nun nicht mehr in natürliche Überläufe ausdehnen, sondern überfluten breite Landteile.

Im Sinne des Naturschutzes war es an der Zeit den Tieren und Pflanzen ihren natürlichen Lebensraum zurückzugeben. Mittels des Förderprogramms LIFE konnten vielen Bächen ihre Strukturvielfalt zurückgegeben werden. Einseitige Fichtenwälder wurden aufwändig aus den Bachtälern entnommen, um insgesamt 4500 Erlen und Eichen Platz zu machen. Auch in den Mooren wurden Entwässerungsgräben geschlossen, sodass etwa 8 ha Moorfläche wiedervernässt werden konnten.

So schaffte es das LIFE-Projekt Bachtäler im Arnsberger Wald Pflanzen, Insekten und Tieren, wie beispielsweise dem Eisvogel oder dem Schwarzstorch einen intakten Lebensraum zurückzugeben.

Life Projekt Möhneaue

Mit einer Länge von 65 km gehört die Möhne zu einem der größten Zuflüsse der Ruhr. Ihr Tal ist eine besondere Flusslandschaft mit Quellen und Bächen, Weiden, Wiesen und Wäldern. Es dient als Lebensraum für viele Pflanzen- und Tierarten. Das Möhnetal wurde im vergangenen Jahrhundert stark verändert, was der Artenvielfalt schadete. Das LIFE-Projekt Möhneaue renaturalisierte von 2010 bis 2016 das Gebiet, um den Tieren und Pflanzen einen natürlichen und intakten Lebensraum zurückzugeben.

Probleme

Lange nutzte der Mensch das Möhnetal als Heulieferant für die umliegenden Siedlungen. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Gebiet im Zuge des Ausbaus der Möhne-Chaussee (heute B516) und der Eisenbahn verkehrsmäßig erschlossen. Dies hatte eine Einengung des Talraums sowie eine Begradigung und Verlegung der Möhne zur Folge. Des Weiteren dienten die Veränderungen des Flusslaufs sowohl einer besseren Bewirtschaftung der Flussniederung als auch der Nutzung der Wasserkraft für den Mühlenbetrieb durch den Bau von Wehren. Ab den 50er Jahren wurden die artenreichen, aber wenig ertragreichen Flächen kaum noch bewirtschaftet oder mit Nadelgehölzen aufgeforstet.

Intakte, naturnahe Auen sind der Lebensraum einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt, dessen Bewohner sich an die wechselnden Wasserstände angepasst haben. Auch für den Menschen ist das Auenland mit seinen Wiesen und Wäldern sehr wichtig. Es dient nicht nur als Erholungs- und Freizeitort, sondern auch als Trinkwasserlieferant und Hochwasserrückhalt.

Durch die Begradigung des Flusses fließt das Wasser schneller und gräbt sich mit Kraft in die Landschaft ein, sodass Mäander, Nebenarme und Flutmulden verschwinden. Flutwasserwellen können sich so ungebremst flussabwärts bewegen und großen Schaden anrichten.
Ein weiterer Effekt war der Verlust an Lebensraum- und Artenvielfalt.  Die erhöhte Strömungsgeschwindigkeit führt beispielsweise zu höheren Sauerstoffgehalten im Wasser und niedrigeren Wassertemperaturen. Dies machte den Flussbewohnern wie den Bachforellen, Groppen, Bachneunaugen und Elritzen das Leben schwer. Zudem fehlt es vielerorts an Laich- und Brutplätzen. Auch der Lebensraum Wald leidet unter den Begradigungen. Auenwälder bestehen meist aus Weichholzarten wie der Silberweide. Diese halten langen Überflutungen stand und ihre Blätter bieten laubzersetzenden Organismen im Gewässer Nahrung.

möhneLIFE: Ziele und Umsetzung

Das LIFE-Projekt hat es sich zur Aufgabe gemacht, typische Lebensräume und ihre Artengemeinschaften an der Möhne durch verschiedene Renaturierungsmaßnahmen zu fördern. Es galt die Fließgewässerdynamik durch Rück- und Umbau von Ufersicherungen und Wehren wiederherzustellen, sowie die Strukturvielfalt durch Totholz und der Schaffung von Kolken, Flachwasserzonen und Kiesbänken zu erhöhen. In der Aue wurden Teile wiedervernässt und auentypische Lebensraume wie Flutrinnen und Blänke angelegt, um die Entwicklung von Auenwäldern zu fördern. Zwischen 2010 und 2016 wurden auf 100 ha Fläche folgende Punkte erfolgreich umgesetzt:

  • 70 ha artenreiche Wiesen und Weiden entwickelt
  • 11 ha natürliche Laubwälder begründet
  • 2500 m mäandrierende Gewässerläufe geschaffen
  • 1500 m Uferbefestigung wurde entfernt
  • 700 m Flutrinnen angelegt
  • 17 Wehre und Hindernisse durchgängig gestaltet
  • 12 Nebengewässer angebunden
  • 5 Blänke angelegt
  • 3 Fischteiche umgestaltet
Weitere Informationen

Weitere Informationen über die LIFE-Projekte finden Sie hier:

Flyer LIFE-Wanderwege

Nicht nur Tiere und Pflanzen profitieren heute von den Projekten. Auf zwei ausgewiesenen Wanderwegen entlang der Heve, Großer Schmalenau und Lüttmecke vermitteln Informationstafeln ein breites Wissen über das Projekt Bachtäler, das Gebiet und seine Bewohner. Das Möhne-LIFE Projekt kann man mit dem Rad entdecken.